Freiwillige Feuerwehr Denkendorf

Einsatz der Feuerwehr kann teuer werden

Von Ulrike Rapp-Hirrlinger

„Manche Leute denken, die Feuerwehr sei für alles zuständig“, weiß der Denkendorfer Feuerwehrkommandant Frank Obergöker. Zwar rücken die Feuerwehrleute aus, wenn sie über die Leitstelle alarmiert werden, doch der Einsatz kann für die Betroffenen massiv ins Geld gehen.

„Bei Bränden, öffentlichen Notständen oder wenn das Leben von Menschen oder Tieren in Gefahr ist, ist ein Einsatz stets kostenlos“, betont Obergöker. Für diese Pflichtaufgaben steht die Gemeinde ein. Ausnahme: Wenn ein Schaden oder eine Gefahr vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wird. Das muss nicht nur absichtliche Brandstiftung sein. Hauptamtsleiter Fritz Berner erklärt, wer ebenfalls selbst bezahlen muss: „Wer mit brennender Zigarette einschläft, die Kerzen am Adventskranz in Abwesenheit brennen lässt oder das Essen auf dem Herd vergisst und das Haus verlässt.“

Doch auch in anderen Fällen werden die Verursacher zur Kasse gebeten. Ob die Freiwillige Feuerwehr den vollgelaufenen Keller auspumpt, umgestürzte Bäume beseitigt oder lockere Dachziegel beseitigt - Fritz Berner ist verpflichtet, eine Rechnung zu stellen, damit die Kosten nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. „Man muss nicht immer gleich die Feuerwehr holen, manchmal reicht auch ein entsprechender Handwerker“, rät Berner. Diesen Rat gibt auch der Feuerwehrkommandant oft den Betroffenen. „Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren und keine Konkurrenz zu örtlichen Handwerkern sein.“ Auch die Katze auf Baum oder Dach wird nur kostenlos gerettet, wenn das Tier in Lebensgefahr ist. „Ich habe allerdings noch nie ein Katzenskelett auf einem Baum gesehen“, scherzt Obergöker. Anders stand es mit dem Pferd, das vor einigen Jahren in eine Klinge im Wald gestürzt war und aus eigener Kraft nicht mehr herauskam.

„Wir werden auf jeden Fall tätig, vor allem wenn Gefahr im Verzug ist, aber wir sagen auch klar, dass es dann kostet.“ Oft schlügen zwei Herzen in seiner Brust: „Wir wollen ja helfen“, erinnert er sich an den Fall einer betagten Frau, die in ihrem überschwemmten Keller stand und sich nicht zu helfen wusste. Weniger Mitleid hatte er mit dem Autofahrer, der sich mitten in der Nacht in einer Wiese festgefahren hatte und dessen Anruf sich dramatischer anhörte als die Not in Wirklichkeit war. Als er erfuhr, dass er den Einsatz bezahlen muss, verzichtete er auf die Hilfe der Feuerwehrleute.

Generell werden seit 2015 alle Einsätze im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen dem Fahrzeughalter in Rechnung gestellt - ob Unfall oder Ölspur. „Doch die anfallenden Kosten übernimmt in der Regel die Versicherung“, sagt Obergöker. Gerade Ölspuren machen einen großen Teil der Einsätze der Denkendorfer Feuerwehr aus. Das kann von der kleinen Lache bis zur kilometerlangen Spur durch den ganzen Ort reichen, die jüngst ein Bus hinterließ. „Da sind wir mit 30 Leuten und allen sechs Fahrzeugen ausgerückt, um an verschiedenen Gefahrenstellen schnell zu handeln“, erzählt Obergöker. Den überwiegenden Teil der Verursacher könne man ausfindig machen, weiß Berner. Manchmal genüge es, der Spur zu folgen.

Wer befürchtet, dass es beim Nachbarn brennt, weil etwa der Rauchmelder piepst, oder sonst eine Gefahr vermutet, werde bei einem Fehlalarm nicht belangt, versichert der Denkendorfer Kommandant. „Doch man sollte sich, wenn möglich, schon zuerst vergewissern und mal nachschauen und klingeln, bevor man die Feuerwehr alarmiert.“ Nur noch ganz selten werde die Feuerwehr aus Jux alarmiert. „Als es noch Feuermelder gab, wurden die öfter mal eingedrückt“, erinnert sich Obergöker an solche Lausbubenstreiche. Doch heute könne man ja jeden Anruf zurückverfolgen. Wie viele Feuerwehrleute ausrücken, entscheidet der Disponent in der Leitstelle. Er löst unterschiedliche Alarmstufen aus und kann etwa zunächst nur den Kommandanten zum Nachschauen vorbeischicken oder gleich Großalarm auslösen. Wird ein Fahrzeug benötigt, werden in Denkendorf 20 Leute alarmiert, um die Besatzung von neun Feuerwehrleuten sicherzustellen. „Wir wissen ja nicht, wer zur Verfügung steht“, erklärt Obergöker. „Stehen alle 20 da, wird aber trotzdem nur ein Fahrzeug rausgeschickt.“ Der Einsatzleiter entscheidet dann vor Ort, ob weitere Unterstützung gebraucht wird.

Je nach Zahl der Fahrzeuge und Feuerwehrleute bemisst sich auch die Rechnung (siehe Info-Kasten). Stellt sich vor Ort heraus, dass der Bedarf geringer ist, schicke er schon auch mal ein Fahrzeug wieder heim, um die Kosten zu verringern. Einen Ermessensspielraum habe er bei der Rechnung kaum, aber natürlich berücksichtige man die Umstände des Einzelfalls, sagt Berner. Weil die Bescheide gut begründet würden, gebe es kaum Widersprüche. Von einem Fall in den letzten drei Jahren weiß Berner. Für den war dann das Landratsamt zuständig.

Kostenersatz für Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr

Gebühren:Mit der jüngsten Änderung des Feuerwehrgesetzes wurden auch die Gebühren für die Einsätze landesweit vereinheitlicht. Für jeden Feuerwehrmann werden pro Einsatzstunde nun statt 47 Euro nur noch 23 Euro fällig. Während die Stundensätze bei kleineren Fahrzeugen wie Einsatzleitwagen oder Gerätetransportwagen annähernd gleich blieben, werden für die großen Brummer wie das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug statt 34 nun 184 Euro fällig, für das Löschgruppenfahrzeug immerhin noch 120 Euro, weil die Kosten auf die Einsatzstunden der Fahrzeuge umgelegt werden. Berner erwartet trotzdem, dass die Bürger, die die Dienste der Feuerwehr in Anspruch nehmen, künftig eher weniger bezahlen müssen. Abgerechnet wird in Denkendorf schon vor der jetzt eingeführten Änderung bereits seit Jahren halbstündlich. Doch selbst wenn eine Mindestbesetzung von einem Fahrzeug mit neun Mann eine halbe Stunde vor Ort sei, könne man von rund 200 Euro ausgehen, rechnet Obergöker vor. Etwa die Hälfte der jährlich rund 50 Einsätze der Denkendorfer Feuerwehr sei kostenpflichtig, schätzt Berner.

Aufwandsentschädigung:Die rund 60 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Denkendorf erhalten pro Einsatzstunde übrigens eine Aufwandsentschädigung von 13 Euro.

Quelle Esslinger Zeitung vom 09.08.2016